Barebacking (Sex ohne Kondom) gibt AIDS wieder eine Chance. Seit Jahren gab es nicht so viele HIV-Neuinfektionen wie heute. Diese Neuinfektionen finden größtenteils in der Schwulenszene statt. Deutschlandweit infizieren sich besonders viele schwule Männer in Köln.
Man spricht dort von circa 2900 HIV-Positiven und vermutet, dass jährlich circa 100 Neuinfizierte hinzukommen. Da sich bei weitem nicht jeder testen lässt, muss die Dunkelziffer wesentlich höher eingeschätzt werden.
Von vielen Barebackern wird die Angst vor HIV mit einem positiven Testergebnis besiegt. Nun können sich die Angesteckten ihrer Lust hingeben, ohne die Verantwortung sich selbst gegenüber als große Last zu spüren. Nicht immer wird mit der neu erworbenen Verantwortung den anderen gegenüber auch verantwortungsbewusst umgegangen.
Andererseits ist es so — jeder weiß worauf er sich beim Barebacksex einlässt und manche suchen das Risiko ganz bewusst. Barebacking ist wie russisch Roulette, die Gegenwart der Gefahr scheint für viele einen besonderen Reiz auszumachen. Dieses Bewusstsein für die Endlichkeit des Lebens schafft eine neue Perspektive. Die Infizierten gehören nicht mehr nur der Minderheit der Schwulen, sondern auch der Minderheit der HIV-Positiven an. Damit lässt es sich intensiver und exzessiver leben und Sex haben.
Ein "Biohazard"-Symbol als Tattoo eines Barebackers — äußeres Zeichen für die zunächst unsichtbare Infektion.